Reinlesen

Reinlesen 1

Reinkommen.Buch Damenbad Lorettobad Freiburg Autorin Silvia Cavallucci

Schillerndes Blau empfängt die Besucherin, die durch die weiße Holztür das Damenabteil des Lorettobades betritt. Einladendes Blau, azurblau, erfrischend, verlockend. Und darin: Damen mit gereckten Köpfen, hinter den Ohren verstauten Haaren, zum Dutt gedreht, zum Zopf geflochten oder mit der Bademütze geschützt. Damen, soweit das Auge reicht. Zufrieden blickende, plaudernde, lesende Damen. Auf Handtüchern, Liegen und Bänken sitzend, auf der Wiese, um das Becken herum.

 

Fällt die Tür hinter der Besucherin ins Schloss, bleibt der Rest der Welt außen vor. Oder wie eine Stammdame sagt: „Wenn sich die Tür hinter mir schließt, fällt der Alltag von mir ab und ich bin glücklich.“

 

Das Grundrauschen des Alltags wird abgelöst durch das Plätschern des Wassers im Becken. Vor unerwünschten Blicken schützen Mauern, Hecken und eine lange Reihe Holzkabinen. Sie bilden einen Kokon, in dem Frauen sich für ein paar Stunden dem großen Rennen des Lebens entziehen können.

 

Ein Paradies, der Garten Eden – allerdings ohne Adam und Apfelbaum, dafür mit einem großen Nussbaum, der seine Äste schattenspendend über die Frauen ausbreitet …

 

Reinlesen 2

Herren. Astlöcher im Bretterzaun.

Kein Mann - außer dem Bademeister - hat offiziell Zutritt zum Damenabteil des Lorettobades. Das führt zwangsläufig zur Mythenbildung. Gerade die männliche Fantasie kennt keine Grenzen. Das meiste hat mit der Wirklichkeit vermutlich wenig zu tun. So mancher Jüngling hat schon versucht der Wirklichkeit näher zu kommen und durch Astlöcher und Hecken einen Blick in das für ihn verbotene Terrain geworfen.

 

Gerade für die jüngeren männlichen Besucher des Familienbades ist es nach wie vor ein beliebter Sport. Heute wie auch schon vor hundert Jahren. „Wer aber die hübschen Volants an den Badekostümen der Mädchen bewundern wollte, der wurde unter Freunden auf das Astloch im Bretterzaun hingewiesen, die Trennungswand der Geschlechter innerhalb der Schwimmanstalt. Wir alle haben dieses Panorama genossen und mancher musste gewaltsam von diesem Ausguck losgerissen werden, denn der Anwärter, die auch mal drankommen wollten, gab es gar viele“, so ist in einem Artikel zur Freiburger Badegeschichte in der Badischen Zeitung 1950 zu lesen.

 

Selbst im 21. Jahrhundert scheinen die Mauern und Hecken noch einen gewissen Reiz auszulösen und wer an der Warteschlange an der Kasse steht, wird sicherlich ganz nebenbei versuchen einen Blick ins Bad zu werfen. Öffnet sich nämlich die Eingangstür zum Damenbad, gibt sie für einen Moment das leuchtende Blau des Schwimmbeckens mit den darin befindlichen Damen frei.

 

Für die Männer ein Blick ins Paradies, aus dem sie vertrieben wurden? Auch wenn kein Apfelbaum sondern ein Nussbaum darin zu finden ist?


Reinlesen 3

Hauptthema im Damenbad: Das Wetter.

Der Juni war schön warm, der Juli viel zu kalt, viel zu windig, viel zu heiß, noch nie war der Sommer so schlecht, zu viel Regen, die Nächte sind kalt, der Boden ist ausgekühlt, zu wenig Schatten, jetzt macht das Bad zu und das Wetter wird schön, früher war das Wetter besser, was für ein Sommer, das ist gar kein Sommer, wann wird’s mal wieder richtig Sommer, man ist schon froh, wenn es nicht regnet, immer nur Regen, in Spanien scheint die Sonne, über Mallorca sind dicke Wolken, wenn es doch mal ein bisschen abkühlen würde, man kann nur noch regungslos im Schatten liegen ...

 

 

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Erhältlich auch im regionalen Buchhandel oder direkt im Damenbad.